Falkeplatz PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Michael Vetter   
Sonntag, den 28. September 2008 um 10:11 Uhr

 

 

Der Falkeplatz ist das Musterbeispiel eines ungeplant zustandegekommenen Platzes, dem nach wie vor urbane Qualitäten fehlen. Die Ursprünge gehen auf den Abriß der Mauern und des Nikolaitores, dem westlichen Zugang zur Stadt, zurück. 1912-14 wurde der Chemnitzfluß weiträumig überwölbt, wodurch der Falkeplatz, der kurz zuvor nach dem Unternehmer Bruno Falke benannt worden war, in der heutigen Flächenausdehnung entstand.

In den zwanziger Jahren wurde hier nicht nur die höchste Verkehrsdichte der Stadt, sondern ganz Sachsens gezählt. Stollberger und Zwickauer Straße münden am Falkeplatz in den innerstädtischen Ring. Vor dem Krieg bestand außerdem eine direkte Straßenverbindung zum Markt. Die Stadtplaner dieser Zeit waren sich der Defizite des Platzgebildes bewußt. Mit dem Bau von Deutscher Bank 1922-24 und Sparkasse 1929/30 wurden Versuche unternommen, Dominanten zu setzen, was nur zum Teil gelang. Aus dieser Zeit stammt ein Vorschlag von Stadtarchitekt Grundmann, einen Kranz miteinander verbundener Hochhäuser um den Platz zu stellen, unter denen der Straßenverkehr durch Tore geleitet wird . Abgesehen von der unvermeidlichen Staugefahr wäre aber auch dadurch sicherlich keine zufrieden stellende Lösung entstanden, da es am nötigen Freiraum für Fußgänger zwischen den Autoströmen mangelte.

Durch die Kriegszerstörungen verlor die Fläche weiter an baulicher Einfassung. Die starke Verbreiterung der Zwickauer Straße mit zurückgesetzter Bebauung und das Ödland auf Seite der Innenstadt trugen dazu bei, den Charakter des Verkehrsknotenpunktes noch zu unterstreichen. Selbst wenn durch Südverbindung und Innenring in den nächsten Jahren ein Rückgang des motorisierten Verkehrs zu erwarten ist, wird es sicherlich auch für künftige Planer schwer sein, dem Platz einen wirklich urbanen Charakter zu geben.

Text: Dr. Jens Kassner - Chemnitzer Plätze zwischen Planung und Zufall - ein kulturhistorischer Abriß